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„Was will der Staat von der Schule?“ - Ausstellungseröffnung im Landhaushof

Hinteregger, Lackner, Bauer, Vollath, Janko, Ramp, Halbrainer, Holasek, Lamprecht © Foto Frankl
Hinteregger, Lackner, Bauer, Vollath, Janko, Ramp, Halbrainer, Holasek, Lamprecht
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Landtagspräsidentin Vollath © Foto Frankl
Landtagspräsidentin Vollath
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Jährlich am 5. Mai wird in Österreich der Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Es ist jener Tag, an dem im Jahre 1945 das Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich von US-amerikanischen Truppen befreit und somit das Martyrium der dort gefangen gehaltenen Menschen beendet wurde.

Aus diesem Anlass lud Landtagspräsidentin Bettina Vollath im Rahmen der Initiative „Lebendige Erinnerungskultur in der Steiermark" zur Eröffnung einer von Jugendlichen gestalteten Ausstellung zum Thema „Was will der Staat von der Schule?" in den Grazer Landhaushof. Die Ausstellung im Landhaushof besteht aus 26 Tafeln und wird bis zu den Schulferien zu besichtigen sein.

Unter nationalsozialistischer Herrschaft war die Frage „Was will der Staat von der Schule?" klar zu beantworten: Die nachkommende Generation sollte frühzeitig im Sinne der menschenverachtenden Ideologie erzogen werden, um als widerspruchsloses Werkzeug des Regimes zu dienen. Zu diesem Zweck wurden Lehrpläne umgeschrieben, Lehrkräfte „aussortiert" und die Jugendorganisationen HJ und BDM gegründet. 

Mehr als 150 Schülerinnen und Schüler aus acht steirischen Schulen beschäftigten sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit dieser Thematik und präsentierten am Montag ihre Ergebnisse. Dabei wurde sowohl die Geschichte der eigenen Schule während der NS Zeit erforscht, als auch aktuell brisante Aspekte ideologischer Einflussnahme auf den Unterricht erarbeitet. 

So beschäftigte sich beispielsweise die Schulklasse des BG/BORG Liebenau mit dem Wandel seiner traditionsreichen Schulgeschichte. Die Fachschule und die HLW Caritas nutzten ein Praktikum in Altenpflegeeinrichtungen für die Sammlung von ZeitzeugInnenerzählungen, während das BG/BORG Kirchengasse zum Thema „Schule und Religion" einen Einblick in den islamischen und jüdischen Religionsunterricht bietet. Das GIBS Graz blickte auch auf aktuelle Entwicklungen in den USA und der Türkei. Die Jugendlichen des BRG Kepler beschäftigten sich mit der Schulgeschichte im Ständestaat und im Nationalsozialismus. Am BG/BRG Klusemannstraße wurde zum Thema „Menschenbilder in Systembrüchen" gearbeitet und das BAfEP Hartberg setzte sich mit der „Ideologischen Erziehung und Militarisierung der Kinder und Jugendlichen" auseinander. 

Die Jugendlichen wurden in diesem Projekt neben ihren Lehrkräften zusätzlich von ExpertInnen vom Centrum für Jüdische Studien, erinnern.at und dem Verein CLIO begleitet und unterstützt. Das Ausstellungsprojekt gründet auf einer Initiative von Landtagspräsidentin Bettina Vollath und wurde finanziell unterstützt von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Bildungslandesrätin Ursula Lackner

Landtagspräsidentin Bettina Vollath eröffnete die Ausstellung voller Freude über das engagierte Mitwirken so vieler junger Menschen im gut gefüllten Landhaushof und unterstrich: „Es liegt an uns allen, dass wir aktiv mitbauen an einer Gesellschaft, die von Akzeptanz und Mitmenschlichkeit geprägt ist. Einer Gesellschaft, die die Rechte eines jeden Menschen schützt und behütet, getragen von der Fähigkeit zur Empathie. Mehr denn je brauchen wir das Bewusstsein, dass Menschenrechte nicht verhandelbar sind und dass unsere Demokratie und der bei uns seit über sieben Jahrzehnten herrschende Frieden die wohl wichtigsten Güter unserer Gesellschaft darstellen. In diesem Sinne freue ich mich von ganzem Herzen, dass sich so viele junge Menschen der Verantwortung für unsere Gesellschaft bewusst sind und mit dieser Ausstellung zur breiten gesellschaftlichen Verankerung dieses Bewusstseins beitragen."

Nach einleitenden Grußworten von LTAbg. Sandra Holasek (in Vertretung von Landeshauptmann Schützenhöfer) und Landesrätin Ursula Lackner folgte die Projektvorstellung durch Gerald Lamprecht (Centrum für Jüdische Studien und erinnern.at) und Bettina Ramp (Pädagogische Hochschule, Verein CLIO). Die Zeitzeugin Johanna Janko und Schülerin Helene Bauer berichteten über ihre gewonnenen Eindrücke. Abschließend regte der Landesschulinspektor i.R., Robert Hinteregger, mit einem Impulsreferat zum Nachdenken an.

Alle weiteren Informationen zur Initiative sowie die Möglichkeit, selbst zu unterstützen finden Sie unter: Externe Verknüpfung www.landtag.steiermark.at/erinnerungskultur 

 

Graz, am 7. Mai 2018 

 

Zitate


Hermann Schützenhöfer:

„Das Gedenkjahr 2018 ist ein Auftrag an uns alle, wachsam zu sein und wachsam zu bleiben. Gedenken und Bedenken dürfen sich nicht in leeren Ritualen erschöpfen, sondern müssen ständige Herausforderung für eine präventive Erinnerungskultur sein. Es gilt das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Friede, Freiheit und Demokratie keine ungefährdeten Selbstverständlichkeiten sind, sondern täglich neu geschützt, errungen und gelebt werden müssen. Unseren Schulen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn in den Bildungseinrichtungen wächst die Zukunft unserer Gesellschaft heran. Hier gilt es besonders wachsam zu sein und unsere Jugend zu sensibilisieren, denn es ist entscheidend für das Wohl unseres Landes, dass die jungen Steirerinnen und Steirer in Frieden und Freiheit und auch frei von jeglicher ideologischen Indoktrinierung zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen können."

 Ursula Lackner:

„Schule hat auch immer eine gesellschaftliche und politische Bedeutung. In politische Bildung zu investieren ist daher absolut notwendig und ein Gebot der Stunde. Dazu gehört es Möglichkeiten zur Beteiligung und Mitbestimmung zu schaffen und Räume zur kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Gebieten zu schaffen. Diese Ausstellung ist ein wichtiger und ausgezeichneter Beitrag dafür."

 Gerald Lamprecht:

„Die Debatten der letzten Tage und Wochen zeigen, wie wichtig es ist, sich kritisch und reflektiert mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen, um in der Gegenwart rechtzeitig antidemokratische, rassistische oder antisemitische Entwicklungen zu erkennen. Die Jugendlichen haben in diesem Projekt einen wichtigen Beitrag zu dieser kritischen Beschäftigung geleistet."

 Bettina Ramp:

„Während unserer monatelangen Arbeit stellten wir uns mehrmals die Frage: „Wie hätte ich damals gehandelt?". Diese Frage ist schwer zu beantworten. Ganz leicht hingegen antworten kann man - können wir alle - auf die nächste sich stellende Frage: „Und wie handle ich heute?". Ich bedanke mich vor allem bei der Jugend für das große Engagement, Durchhaltevermögen und für das Einlassen auf ein derart komplexes Thema."

 Robert Hinteregger:

"Bei der von Schülern gestalteten Ausstellung geht es ganz im Sinn des Grundsatzerlasses zur Politischen Bildung darum, Zeitgeschichte für die eigene Lebenswelt der jungen Leute zu aktualisieren und das Phänomen "Faschismus" als einen diskursiven Bereich unserer Zeitgeschichte aufzufassen, der kognitives Bescheidwissen, Engagement und Auseinandersetzung gleichermaßen verlangt. Resümierend müssen wir uns weiterhin darum bemühen, dass ein engagierter und methodisch-didaktisch tragfähiger Zeitgeschichtsunterricht einen unumstößlichen Antifaschismus unter den Jugendlichen bewirkt. Ebenso wichtig wie ein engagierter Unterricht ist aber das Bestreben der Gesellschaft, die Jugendlichen zu Verantwortungsübernahme zu ermutigen und ihnen Perspektiven, Orientierungsmöglichkeiten und Identifikationsangebote zu offerieren, damit die Aufrechterhaltung einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung für sie ein wirkliches Anliegen bildet."

 Helene Bauer:

„Dieses Projekt hat uns Schülerinnen und Schülern den Blick dafür geöffnet, dass Geschichte nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart und Zukunft bedeutet. Die derzeitige politische Situation in Österreich und anderen Ländern Europas zeigt uns, wie unendlich wichtig es ist, speziell junge Menschen für ein Geschichtsbewusstsein sensibel zu machen. Es ist für uns, speziell auch für meine Altersgruppe eine Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass sich diese dunkle Epoche unserer Vergangenheit nicht wiederholt!"

 Johanna Janko:

"Ich arbeite als Zeitzeugin mit den Jugendlichen, weil ich ihnen eine Hauptbotschaft vermitteln möchte: Nie wieder Krieg!"

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