Link zur Startseite

100 Jahre Beitritt des Landes Steiermark zum Staat Deutschösterreich

Landespolitik feiert historisches Ereignis

Schickhofer, Vollath, Fischer, Schützenhöfer, Konrad © Erwin Scheriau
Schickhofer, Vollath, Fischer, Schützenhöfer, Konrad
© Erwin Scheriau

Weitere Fotos finden Sie hier.



Redeskripte:

Externe Verknüpfung Bettina Vollath

Externe Verknüpfung Hermann Schützenhöfer

Externe Verknüpfung Michael Schickhofer

Externe Verknüpfung Helmut Konrad


Auf den Tag genau vor hundert Jahren, am 6. November 1918, beschloss die provisorische Landesversammlung in der Landstube des Grazer Landhauses den Beitritt des Landes Steiermark zum damals sich in Gründung befindenden Staat Deutschösterreich, der heutigen Republik Österreich.

In ebendieser Landstube beging heute auf Einladung von Landtagspräsidentin Bettina Vollath die versammelte steirische Landespolitik sowie viele hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der offiziellen Steiermark einen feierlichen Festakt zu diesem historisch und verfassungsgeschichtlich bedeutenden Ereignis.

Bundespräsident außer Dienst Heinz Fischer, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer sprachen Grußworte zum feierlichen Anlass, der renommierte Historiker Helmut Konrad hielt die Festrede.

Landtagspräsidentin Vollath zeigte sich sehr erfreut über die große Teilnahme der Landtagsabgeordneten und vieler Ehrengäste. Sie unterstrich: „Die Demokratie und der damit verbundene Frieden, in dem wir hier in Österreich, in der Steiermark leben dürfen, sind wohl die nach wie vor schützenswertesten Errungenschaften aus dieser Zeit. 100 Jahre sind in Wahrheit keine lange Zeit- nur drei Generationen liegen zwischen der Monarchie und der Freiheit, die unser Leben und unsere Gesellschaft heute prägt - ein Wimpernschlag in der langen Geschichte Österreichs. Die Art und Weise, wie vor 100 Jahren die politischen Parteien ihre Verantwortung wahrgenommen haben und die österreichische Monarchie gemeinschaftlich in eine demokratische Zukunft geführt haben, zeigt uns, dass sogar das scheinbar Unmögliche erreicht werden kann, wenn Menschen eine Vision haben!"

Zu diesem feierlichen Anlass reiste auch Bundespräsident außer Dienst Heinz Fischer in die Steiermark und hielt Grußworte, in welchen er betonte: „Am 12. November begeht Österreich den 100. Jahrestag der Gründung der Republik, an der die damals 7 Bundesländer einen maßgeblichen Anteil hatten. Schon 6 Tage vor der formellen Proklamation der Republik im Parlament an der Wiener Ringstraße trat im Grazer Landhaus die Provisorische Landesversammlung für die Steiermark zusammen und erklärte den Beitritt zu dem in Gründung befindlichen neuen Staat.  Der 6. November 1918 ist deshalb nicht nur ein wichtiges Datum für die Steiermark, sondern für ganz Österreich. Aus diesem Grund ist es mir eine große Ehre den hundertsten Geburtstag unseres Landes im grünen Herzens Österreichs gemeinsam mit Ihnen allen zu feiern." 

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer erinnerte in seiner Ansprache an die zentrale Rolle der Länder bei der Republiksgründung: „Ehe die Republik proklamiert wurde, beschlossen die Länder, sich in diese Republik einzugliedern. Nur durch den lebendigen Föderalismus ist es möglich, dass die Steiermark als Land der Reformen und der Wissenschaft Akzente setzt." Neben der Bedeutung der Länder für die Republik betonte Schützenhöfer die Bedeutung des Miteinanders in der Gesellschaft: „Erst nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges besann man sich auf das Gemeinsame, auf das Miteinander und die Kraft der Mitte - nur so konnte die große Erfolgsgeschichte Zweite Republik ihren Lauf nehmen. Sehen wir das Verbindende und nicht das Trennende. Dann wird die Erfolgsgeschichte dieses Landes und der Republik auch weiterhin geschrieben werden können."

Auch Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer sprach Grußworte zu den versammelten Festgästen und bekräftigte: „Es waren turbulente Zeiten vor hundert Jahren. Politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Die großen Fragen, die sich die Menschen damals gestellt haben, waren: Was wird aus Österreich in der Zukunft? Schaffen wir es? Kann dieses Österreich bestehen? Nach hundert Jahren, in denen sowohl die Steiermark als auch ganz Österreich Höhen und Tiefen, Licht und Schatten erlebt haben, können wir stolz sagen: Wir haben es geschafft! Österreich ist erfolgreich und gehört heute zu den fortschrittlichsten und wohlhabendsten Ländern der Welt. Gelungen ist das insbesondere dadurch, dass die Nachkriegsgeneration das Gemeinsame vor das Trennende und das Wohl Aller vor das Wohl Einzelner gestellt hat. Es gibt so viel, worauf wir stolz sein können und dessen wir uns erinnern sollen. Allen voran unsere gemeinsam getragene Wertehaltung, dass die Menschenrechte unteilbar sind und alle Menschen das Recht auf ein würdevolles Leben haben."

 „Am Tag der einstimmigen Beschlussfassung für den Beitritt der Steiermark zu Deutschösterreich waren die Rahmenbedingungen noch unklar. Weder war die Staatsform für (Deutsch-)Österreich entschieden, denn der Kaiser hatte noch nicht auf seinen Anteil an den Regierungsgeschäften verzichtet. Noch waren die Grenzen klar, denn der entstehende Staat beanspruchte ein Territorium mit 9 Millionen Einwohnern. Dennoch, der Beschluss war richtungsweisend. Nur mit dem Votum der Länder war der Staat auf eine breit akzeptierte Basis zu stellen.", betonte der bekannte Historiker und zum heutigen Anlass Festredner Helmut Konrad in seinen Ausführungen.

   

Die provisorische Landesversammlung am 6. November 1918

Die neunundfünfzig Herren und eine Dame kamen an jenem Tag in der Landstube zusammen und stellten fest, dass sie „auf Grund der Vereinbarung der politischen Parteien" gewählt wurden und sich auf Grund der Nationalversammlung zur Bildung einer provisorischen Landesversammlung zusammengefunden haben. In dieser Funktion fassten sie in drei Kapiteln formulierte Beschlüsse:

  • Das neue Land Steiermark wurde definiert als geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet des ehemaligen Kronlandes bzw. Herzogtums Steiermark, welches eine „eigenberechtigte Provinz" des Staates Deutschösterreich bildete.

  • Das zweite Kapitel betraf Beschlüsse über die provisorische Landesverfassung, welche bis zur Errichtung der neuen Staatsverfassung gelten sollte.

  • Das dritte Kapitel widmete sich schließlich den vorerst ungeklärten Landesgrenzen.


Die provisorische Landesversammlung führte die Steiermark durch den von Hunger und Kälte überschatteten Winter 1918/1919. Nach Kaiser Karls Verzicht „auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften" am 11. November wurde am 12. November die Republik ausgerufen. Eine neue Demokratie trat an die Stelle der alten, legitimierte sich 1919 durch Wahlen und gab sich 1920 eine Verfassung. Das Ende des vom Kriegselend und politischen Umbruch gekennzeichneten Winters 1918/1919 bildete den Anfang einer neuen Ära. Im Mai 1919 gab es die ersten Landtagswahlen und fand sich der neu gewählte Steiermärkische Landtag in der Landstube zu seiner ersten Sitzung ein.

Graz, am 6.11.2018

War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).