Link zur Startseite

9. LAND.HAUS.GESPRÄCH.

Eine Zukunft für Europas Jüdinnen und Juden?

Sotill, Schapira, Friedman, Rosen, Vollath © Mario Sudy
Sotill, Schapira, Friedman, Rosen, Vollath
© Mario Sudy



Externe Verknüpfung Zur Fotogalerie

Am Montag, dem 3. Dezember lud Landtagspräsidentin Bettina Vollath zur zweiten von insgesamt drei gemeinsam mit dem Grazer TRIALOG-FORUM konzipierten Veranstaltungen im Rahmen der erfolgreichen Reihe LAND.HAUS.GESPRÄCH., bei welchen die Schwerpunkte auf den drei abrahamitischen Religionen Islam, Judentum und Christentum liegen. 

Zum Thema „Eine Zukunft für Europas Jüdinnen und Juden?" referierte der bekannte Publizist und Politiker Michel Friedman und gab mit seinem Vortrag den Impuls für die darauffolgende Gesprächsrunde.

Die Gesprächsteilnehmenden:

  • Michel Friedman, deutsch-franz. Jurist, Philosoph, Publizist und Fernsehmoderator

  • Elie Rosen, Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz, Vorstand der Jüdischen Kultusstiftung Steiermark

  • Esther Schapira, Autorin, Abteilungsleiterin Fernsehen, Politik und Gesellschaft beim HR-Fernsehen und Kommentatorin bei den ARD-Tagesthemen
     

Landtagspräsidentin Vollath begrüßte die über 100 interessierten Gäste in der Landstube und hielt fest: „Antisemitismus ist nicht nur für Jüdinnen und Juden eine Bedrohung, sondern für uns alle - er ist eine Gefahr für unsere liberale offene Gesellschaft basierend auf humanistischen Werten und den Menschenrechten. Ganz generell gesagt: die Ausgrenzung von einzelnen Gruppierungen, aufgrund welcher Vielfaltsmerkmale auch immer, schadet nicht nur dieser Gruppierung, sondern der gesamten Gesellschaft.

Wenn wir das zulassen, dann werden wir es früher oder später mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erleben, dass andere selbstverständlich geglaubte demokratische Errungenschaften wieder verloren gehen - ja aktiv bekämpft und abgeschafft werden. Somit: wenn wir nicht aktiv und mit großer positiver Energie an einer Gesellschaft weiterbauen, die von Akzeptanz und Mitmenschlichkeit geprägt ist, wenn wir nicht aktiv daran arbeiten, dass es nicht zu weiteren Wertverlusten kommt beziehungsweise es uns nicht gelingt, die Werte einvernehmlich festzulegen, die es für das Gelingen einer pluralistischen Gesellschaft braucht, dann müssen wir unter Umständen erleben - und was es in meinen Augen noch dramatischer macht - müssen es unter Umständen unsere Kinder und Enkelkinder erleben (und die können sich heute vor einer solchen Entwicklung nicht selbst schützen, dass können nur wir Erwachsenen tun), dass eine Demokratie eben kein Naturgesetz ist. Es liegt also an uns, an jedem und jeder Einzelnen von uns, auf gegenseitige Achtsamkeit, auf Umsicht in der Wortwahl und auf Empathie im Umgang miteinander zu achten".

Für das TRIALOG-FORUM sprach der Superintendent der Evangelischen Superintendentur A. B., Wolfgang Rehner Grußworte zu den interessierten Gästen. „Die christlichen Kirchen sind Teil des Grazer Trialog-Forums. Im Land.Haus.Gespräch. haben wir Gelegenheit, festzustellen: Man wird dem Judentum nicht gerecht, wenn man die Schatten der Vergangenheit das beherrschende Thema sein lässt. Folgerichtig ist die Zukunftsperspektive jüdischen Lebens in Europa im Blickpunkt. Die Antwort betrifft uns direkt, denn ohne Judentum ist Christentum nicht denkbar."

Michel Friedman hielt in seinem Impulsvortrag fest, dass „Judenhass gleich Menschenhass ist. Jeder muss sich die Frage stellen, was der oder die Einzelne tun kann gegen Judenhass? Ich sage man kann sehr viel - bei sich zu Hause, im Beruf, oder beispielsweise in Fußballvereinen. Die Zukunft von Juden und Jüdinnen ist die Zukunft der Demokratie in den Ländern die die Europäische Union ausmacht. Es ist unsere gemeinsame Zukunft oder unser Untergang. Wir leben entweder in einer zivilen, humanistischen Gesellschaft, die bei allen Rückschlägen und schwächen dieses Ziel vor Augen hat und bereit ist dafür etwas zu tun, oder wir werden in autoritären Systemen leben." 

Esther Schapira bekräftigte: „Eine Demokratie geht nicht an ihren Gegnern zu Grunde, sondern an der Schwäche ihrer Verteidiger, die das Überschreiten von roten Linien einfach zulassen. Gründe für Antisemitismus sind völlig irrelevant, entscheidend ist, dass es genügend Menschen gibt, die jeder Form von Judenhass und jeder Form von Rassismus entgegentreten. Dann haben die Menschenrechte eine Zukunft in Europa, dann haben auch Jüdinnen und Juden eine Zukunft in Europa."

Elie Rosen brachte in den Gesprächen auch die Situation für Jüdinnen und Juden in Österreich zur Sprache und betonte: „Mit einer normalen demografischen Entwicklung wie wir sie derzeit haben, werden kleine jüdische Gemeinden in Österreich nicht überleben können. Sie sind auf Migration angewiesen, diese wird allerdings nicht aus Europa kommen. Daher kommt es darauf an, wie sehr Österreich das Überleben dieser Gemeinden möchte."


Die Moderation des Abends übernahm Wolfgang Sotill, für die musikalische Umrahmung sorgte das Ton-Art-Trio.




Graz, am 3.12.2018

War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).