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70 Jahre Menschenrechte

Perspektiven und Positionen

Alanam, Walter, Sho, Vollath, Kampus, Teichmann, Blom, Charim, Drexler © Land Stmk/Drechsler
Alanam, Walter, Sho, Vollath, Kampus, Teichmann, Blom, Charim, Drexler
© Land Stmk/Drechsler

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Redeskripte:

Externe Verknüpfung Bettina Vollath

Externe Verknüpfung Isolde Charim

Slam-Poetries:

Externe Verknüpfung Christine Teichmann

Externe Verknüpfung Precious Sho

Am 10. Dezember ist der 70. Jahrestag der Proklamation der Menschenrechte. Aus diesem Anlass luden Landtagspräsidentin Bettina Vollath, Landesrätin Doris Kampus und Landesrat Christopher Drexler zu „Perspektiven und Positionen" in den Sitzungssaal des Grazer Landhauses ein.

Mit dem Titel „Universal Declaration of Human Rights" wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der Generalversammlung der UNO am 10. Dezember 1948 verabschiedet.

Sie ist das bekannteste Menschenrechtsdokument und stellt mit ihren 30 Artikel die Grundlage für den Schutz der Rechte international dar.

Für Landtagspräsidentin Vollath steht fest, dass es an uns allen liegt, dieses „große Vermächtnis zu schützen und die Wahrung der Menschenrechte weiterzutragen und auch an die nächsten Generationen weiterzugeben.", sie appellierte daran, die Menschenrechte als richtungsweisenden Kompass für alle politischen Entwicklungen anzulegen und mit großer Achtsamkeit auf die Umsetzung zu achten. Weiter unterstrich Vollath: „Demokratie und Menschenrechte sind nicht nur die treibenden Kräfte für Frieden und Entwicklung, sie sind wohl auch die wichtigsten Werte unserer Gesellschaft. Es braucht das Bewusstsein dafür, dass es auch von aufmerksamer Begleitung und Hartnäckigkeit seitens der Zivilgesellschaft abhängt, wie weit Menschenrechte umgesetzt werden."

„Viele Menschen glauben, dass Menschenrechte ja ohnedies nur die anderen betreffen. Diese Annahme ist aber falsch. Menschenrechte betreffen uns alle, Menschenrechte schützen uns alle, und das Tag für Tag", betonte Soziallandesrätin Doris Kampus den umfassenden und lebenspraktischen Charakter der Menschenrechte. Kampus verwies auf die breit gefächerte Initiative des Landes Steiermark, um in diesem vielfältigen Gedenkjahr voller runder Jubiläen (1848, 1918, 1938, 1948, 1968) insbesondere die 70. Wiederkehr des Beschlusses über die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zu würdigen und aktiv zu einem Thema zu machen. So haben sich alle Ressorts an diesem Projekt beteiligt - und die Steiermark werde weiterhin aktiv im Einsatz für die Menschenrechte bleiben.

„Menschenrechte sind es, die uns allen unsere Sicherheit und Freiheit gewähren, wenn diese beiden Werte auch immer in einem Spannungsverhältnis stehen", unterstrich die Landesrätin. So verwies Kampus in diesem Kontext auf die zunehmende Radikalisierung in den so genannten Sozialen Medien. „Menschenrechte sind es aber auch, die unser aller Zusammenleben Tag für Tag bestimmen", so Kampus, die insbesondere darauf hinweist, dass Frauen zunehmend zum Opfer von Gewalt und in ihren Menschenrechten verletzt werden. Daher habe sie auch die zu Ende gehende Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen" unterstützt.

Landesrat Christopher Drexler betonte die Tragweite und Bedeutung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor dem historischen Hintergrund und ihrer Aktualität 70 Jahre nach der Proklamation: „Nach 1945 gab es ein tiefes Verlangen nach einer neuen Ordnung der Welt. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist ein herausragender Gegenentwurf zu den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. Wir müssen gerade in Jubiläumsjahren darauf hinweisen, dass Errungenschaften wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht selbstverständlich sind. Es ist geradezu unsere Pflicht, daran zu erinnern, dass diese unteilbar und universell gelten."

Dass die Bedeutung der Menschenrechte heute genauso groß ist, wie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung, zeigen grassierende Phänomene wie „Hate Speech", erklärte Drexler. Dieses greife immer stärker in der digitalen, aber genauso in der analogen Welt Platz. „Auf solche Entwicklungen müssen wir im Jubiläumsjahr aufmerksam machen, aber noch viel mehr darüber hinaus wachsam sein, um Hass im täglichen Leben keinen Raum zu geben", so Landesrat Drexler, der in diesem Zusammenhang auf Kulturinitiativen, wie die Ausstellung „Hate Speech. Aggression und Initimität" verwies, die Anfang 2019 im Künstlerhaus in Graz zu sehen sein wird und zur Auseinandersetzung mit der Freiheit der Rede und ihrem Missbrauch einlädt.

Vom Elevate Festival organisiert, beehrten renommierte Expertinnen und Experten die Veranstaltung mit Impulsvorträgen und sorgten somit für einen interessanten und spannenden Abend in der Landstube des Landhauses.

Bestseller-Autor Philipp Blom reiste für diesen Abend im Zeichen der Menschenrechte aus Deutschland nach Graz. Er betonte: „Menschenrechte sind das Kind eines Traumas, denn ohne zwei Weltkriege wäre es zu dieser Erklärung der universellen Menschenrechte nie gekommen. Ohne so viel Morden wäre nie die Realisierung dagewesen, wie wichtig das ist. Heute sind die Menschenrechte fast eine Art Naturzustand geworden und sie gehen einher mit noch etwas, was für uns völlig selbstverständlich geworden ist, der Demokratie. Wir vergessen sehr oft in unserem Wohlstand, dass Demokratien in unseren Ländern sehr junge und zarte Pflänzchen sind. An mehreren Beispielen sehen wir, dass Demokratie auch wunderbar funktionieren kann ohne Menschenrechte, die Kulissen der Demokratie bleiben stehen, aber das Stück was dazwischen gespielt wird, ist längst ein anderes.". Weiter stellte er die Frage, wie wir in Zukunft mit diesem Wissen umgehen werden und „ob wir uns dazu entschließen, zumindest nicht als noch eine Generation von Schlafwandlern in die Geschichte einzugehen. Zumindest einmal unseren Kindern sagen zu können, wir haben es damals gesehen und wir haben unser Bestes getan.", so Blom. 

Isolde Charim referierte unter dem Titel „Zwischen Utopie und Ambivalenz". „Die Menschenrechte sind etwas Unglaubliches, etwas Unerhörtes - eine partielle Einschränkung der Souveränität des Staates. Zugleich aber sind sie ambivalent: Denn ihr utopische Potential bedarf der Realität der Verwirklichung.", so Charim.

Mit „Menschenrechtsarbeit 2.0: von Hate Speech und Counter Narratives" machte Linda Walter auf ein wichtiges Thema aufmerksam: „Hassrede und die Verbreitung menschenverachtender Inhalte auf sozialen Medien stellen Menschenrechtsarbeit vor neue Herausforderungen. Den Tätern kann nur Einhalt geboten werden indem man ihre Gefühlslage ernst nimmt und ausgewählte Gegenerzählungen verbreitet."

Abgerundet wurde der Abend zwischen den Impulsvorträgen mit tiefgründigen Slam-Poetries von den in der Poetry Slam-Szene bekannten Kunstschaffenden Omar Khir Alanam, Precious Sho und Christine Teichmann, welche vom Kulturzentrum bei den Minoriten kuratiert wurden.

Durch den Abend führte ORF Moderator Gernot Rath, als musikalisches Interlude gab es ein Konzert der Grazer Jazzpianistin und Komponistin Viola Hammer.

Graz, am 10. Dezember 2018

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