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"Wie geht Widerstand?“ - Holocaust-Gedenkveranstaltung im Landtag

Lachnit, Pfeifer, Hofer, Vollath, Rabinovici, Zadoff © Foto Frankl
Lachnit, Pfeifer, Hofer, Vollath, Rabinovici, Zadoff
© Foto Frankl

„Wie geht Widerstand?" - Zu diesem Thema lud Landtagspräsidentin Bettina Vollath am Donnerstag, dem 24.1.2019, aus Anlass des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust in den Sitzungssaal des Landtages Steiermark ein.

Zur diesjährigen Gedenkveranstaltung kamen über 100 Gäste, um in der historischen Landstube den Opfern des Holocaust zu gedenken und den Impulsvorträgen sowie der anschließenden Gesprächsrunde beizuwohnen. Für die diesjährigen Impulsvorträge reisten Mirjam Zadoff, die Leiterin des NS-Dokumentationszentrums in München, sowie Schriftsteller und Autor Doron Rabinovici, in die Steiermark.

„Die aufmerksame Beobachtung des politischen Geschehens muss immer von großer Sensibilität geleitet sein, die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass der schrittweise Entzug von Empathie verbunden mit Gewaltanwendung zuerst in Wort und dann in Tat in einem Gewöhnungsprozess enden kann, der gleichsam alles zulässt und in dem jeder Widerstand zum Hochrisiko wird. Somit darf Widerstand im Kaufmann'schen Sinne (Arthur Kaufmann, deutscher Strafrechtslehrers und Rechtsphilosoph) nicht erst das letzte Mittel gegen einen bereits völlig pervertierten Staat sein, sondern hat die Funktion, bereits allfälligen Anfängen zu wehren. Wir alle sind somit aufgefordert, immer und jederzeit sorgsam über die Achtung der Menschenrechte zu wahren, Demokratie und Rechtstaatlichkeit zu verteidigen und auf diese Weise an einer positiven und friedlichen Zukunft für die nächsten Generationen weiter zu bauen.", betonte Landtagspräsidentin Vollath, die sich über die Anmeldung zahlreicher Gäste sehr freute.

Mit ihrem Impulsvortrag „Nicht mehr als „drei Zeilen in den Geschichtsbüchern"- lohnt sich Widerstand?" sprach Mirjam Zadoff den Umgang junger Menschen mit der Geschichte an. „Wenn wir heute mit jungen Menschen über den Nationalsozialismus sprechen, was tun wir da? Schrecken wir sie ab mit der Last der Erinnerung? Oder geben wir ihnen eine Chance, gestärkt aus dieser Begegnung mit der Geschichte hervorzutreten? Ihnen zu vermitteln, welchen Wert die Freiheit der Demokratie hat, und dass es keine illiberale Form derselben geben kann, dass Hass gegen andere kein Mut ist, und Ausgrenzung kein Widerstand, dass Empathie keine Schwäche ist, und Empathieverlust ein gefährliches Spiel", so Zadoff.

Doron Rabinovici betont in seinem Impulsvortrag „Danke für Ihr Verständnis. Oder: Was heißt denn hier Widerstand?": „Die einstigen Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen zu ehren und sie nicht zu verraten, heißt, nicht nur zu erzählen, wie es war, sondern vor allem auszusprechen, was ist, was um uns geschieht und wie uns angekündigt wird, wir würden noch unser blaues Wunder erleben. Widerstand ist nichts Vergangenes."

Neben Vortragenden kommen auch Zeitzeuge Karl Pfeifer, aus Wien sowie Susanne Hofer, die geschäftsführende Bundesjugendvorsitzende des ÖGB, zur Gedenkveranstaltung nach Graz und versprechen eine lebhafte und interessante Gesprächsrunde. Die Moderation an diesem Abend übernimmt Peter Lachnit (Ö1).

„Aufgabe der Zivilgesellschaft ist es, Widerstand gegen alles, was gegen die Menschenwürde gerichtet ist, zu leisten. Auch kleine Gesten des Anstands können ein Zeichen von Widerstand sein.", unterstreicht der Zeitzeuge Karl Pfeifer die Bedeutung von Widerstand.

Susanne Hofer hält fest: „Vor über achtzig Jahren haben die Nationalsozialisten das eigenständige Österreich ausgelöscht. Aber schon zuvor wurden freie Gewerkschaften strukturell zerstört, die Führung zerschlagen und Aktivisten und Aktivistinnen eingesperrt. Es waren Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen, die schon immer gegen den Faschismus und gegen die Zerstörung der Demokratie gekämpft haben. Sich an diese Zeit zu erinnern, der Opfer zu gedenken und sich bewusst zu machen, auf welchem Nährboden der Nationalsozialismus in Österreich entstehen konnte: Genau das ist heute wichtiger denn je."

Auch heuer wieder findet die Gedenkveranstaltung im Rahmen der von Landtagspräsidentin Vollath ins Leben gerufenen Initiative „Lebendige Erinnerungskultur in der Steiermark" statt. Bereits rund 450 Einzelpersonen sowie 77 Institutionen unterstützen diese bereits. Neben der jährlichen Gedenkveranstaltung wird zusätzlich mit einer von Schülerinnen und Schülern gestalteten Ausstellung auf das jeweilige Jahresthema - 2019: „Wie geht Widerstand?" - eingegangen. Dabei wird das Landhaus im Zeitraum von Mai bis Juni 2019 zur Ausstellungskulisse der Arbeiten der teilnehmenden steirischen Schulen. Unter www.landtag.steiermark.at/erinnerungskultur finden Sie weitere Informationen zur Initiative sowie die Möglichkeit zur Abgabe einer freiwilligen Unterstützungserklärung.

Graz, am 24. Jänner 2019

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